Arbeiten im Coffeeshop ist so ...

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Wenn ich erzähle was ich beruflich so mache, höre ich nicht selten: "Oh, das ist ja toll. Du kannst von überall aus arbeiten und musst gar nicht im Büro sitzen. So Leute wie dich sehe ich immer mit ihren Laptops im Coffeeshop". Ja, das stimmt. Und dieses Szenario klingt auch wirklich ganz fantastisch.

Spät aufstehen, gemütlich in den Tag starten und dann bei einem Venti-Soja-3-Pumps-Chai-Tea-Latte in einen der gemütlichen Sessel oder Stühle fallen lassen. Laptop, Smartphone, 3 verschiedene Kabel, Kopfhörer und ein Notizbuch auf den Tisch geknallt und einfach losarbeiten. Frühstück, Mittag- und Abendessen ist dabei natürlich jederzeit in Griffweite, es gibt kostenloses WiFi und überhaupt hängen da ganz viele coole, junge und hippe Leute mit ihren Mac Books rum. Ein Tag im Coffeeshop ist also schon beinahe vergleichbar mit einem Tag im Coworking-Space. Ein ständiges kommen und gehen neuer Gesichter inklusive. Und man macht vielleicht auch die eine oder andere nette Bekanntschaft wenn man den halben Tag nebeneinandersitzt.

Da ich in Wien ja jeden Tag in unser Zensations Büro fahre und eben nicht vom Coffeeshop aus arbeite und jetzt quasi kurzzeitig als Neo-Digital Nomad unterwegs bin, bietet sich so ein kleiner Ausflug in die ungebundene Welt des mobile Workings hier in L.A. doch förmlich an. Auf 500 Meter findet man in etwa acht Shops, stündliches Hopping wäre also problemlos möglich. Und es ist eigentlich auch allemal günstiger als sich in einem Office oder vorzugsweise Coworking-Space einzumieten, für den man hier schon mal gut und gerne ein paar hundert Dollar pro Monat zahlt.

Während ich die ersten paar Tage mit dem Laptop von Lokal zu Lokal gegangen bin, mal gearbeitet, mal gegessen und mal einfach gar nichts getan habe, habe ich schnell das Gefühl bekommen, dass das Ganze mehr Struktur benötigt.

Gesagt, getan. 9.30 Uhr morgens, der nächste Tag. Los gehts. Im ersten Coffeeshop angekommen habe ich es dann genau 20 Minuten, also in etwa einen Kaffeebecher lang, ausgehalten. Jemand hat das Internet kaputt gemacht, niemand war in der Lage irgendetwas zu reparieren und ohne Internetzugang kann man mich beim besten Willen nicht halten. Fast schon vorwurfsvoll habe ich den Laden verlassen.

Im nächsten Coffeeshop hieß es erstmal anstellen. Nach 30 Minuten warten habe ich endlich einen Tisch ergattert und war voll motiviert. Agile Board geöffnet, To do-Liste anvisiert, ersten Task geöffnet und dann... ja dann habe ich das streitende Pärchen am Nebentisch nicht mehr länger ignorieren können.

Er schaut traurig, sie weint und erklärt sich - herzzerreißende Szenen eben. Und relativ laut, irgendwie unüberhör- und leider auch nicht ignorierbar und gerade so, dass man nicht hin- und nicht wegsehen kann. An komplexere Arbeiten war nicht zu denken, also erstmal was anderes machen.

Und irgendwie war dann mit dem Update-Check von Facebook, Twitter und Co. auch schon wieder eine Stunde rum und das nächste Getränk ausgetrunken. Langsam hat sich dann auch noch Hunger breitgemacht. Also lieber zuerst etwas essen. Niemand möchte hungrig arbeiten und statt an die nächsten Aufgaben eigentlich nur an den knurrenden Magen denken. Coffeeshop-Essen wirkt immer derart überstyled und zählt jetzt nicht unbedingt zu meinen Favoriten, aber der Hunger... naja, für einen Tag gehts.

Mittlerweile war es dann auch schon kurz nach 13 Uhr. Satt, zufrieden und mit gefühlten 200 Mails in meiner Inbox... Moment, die gehören ja auch noch gelesen. Fang ich einfach damit an, das geht schnell. Oder doch lieber einfach ein wenig den Blick schweifen lassen und den Menschen zusehen... Wo war ich? Ach ja, endlich irgendwie am arbeiten, oder zumindest sortieren.

Weitere 1,5 Stunden später fragt eine junge Frau, ob an meinem Tisch noch Platz sei. Und natürlich kommen wir sofort ins Gespräch. Sie ist auch beruflich in L.A, aus Schweden und überhaupt ist das ganz toll, dass wir uns hier getroffen haben. So nett! Blöd nur, dass es mittlerweile kurz nach 16 Uhr und die Liste meiner Tasks immer länger, statt kürzer geworden ist. Mehr oder minder unverrichteter Dinge habe ich mein Lager abgebaut und den Ort des Geschehens verlassen.

Aber ich bin um eine Einsicht reicher geworden. Hallo, mein Name ist Sabrina und ich bin Fan von richtigen Arbeitsplätzen. Vorzugsweise mit Menschen um mich rum, mit denen ich mich zwar austauschen kann, die aber eigentlich auch zum arbeiten hier sind.

Coffeeshops sind einfach nicht das passende Arbeitsumfeld für mich. Zuviel Ablenkung, zuviel gedankenversunkene Prokrastination und dauernde Störungen. Ich kann nur produktiv sein, wenn es andere Menschen um mich herum auch sind. Oder ich alleine zu Hause arbeite.

Also kam es wie es kommen musste und ich habe mich nach Tag 1 auf die Suche nach einem Coworking-Space gemacht. Ich bin bei WeWork fündig geworden. Da sitze ich jetzt jeden Tag und bin glücklich. Und produktiv.

Sabrina Hanneman

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