Ein Männertraum

Worum geht's? Autos, Fußball oder Frauen. Viel einfacher, es geht ums Ficken. Dazu habe ich mir ein Theaterstück angesehen, dass mir sehr gut gefallen hat und ich nicht zuletzt aufgrund seiner eindrucksvollen Darbietung nur empfehlen kann. „Pornorama - Ein Männermärchen“ war von November bis Jänner in der Garage X zu sehen. Der Titel klang vielversprechend, also musste ich hin. Uraufgeführt wurde der Monolog übrigens im Juli 2010 beim Monodrama Festival in Luxemburg.

Das Bühnenbild war einfach gehalten. Ein paar Schwänze auf die Wand gemalen, eine Gummipuppe namens Lulu, ein Laptop und Gemüse. Und eine Schauspielerin die genug Mut bewiesen hat sich in nicht gerade vorteilhaften rosa Strumpfhosen auf der Bühne zu präsentieren. Angedeuteter Sex mit Lola inklusive. Das verdient Respekt, denn nicht jede Frau wäre bereit sich dem Publikum derart offen zu zeigen. Auch nicht als Schauspielerin, mir gefällt's. Die Hamburger Schauspielerin und Autorin Karen Köhler hat auf unterhaltsame, aber auch kritische Weise ihre Haltung zu Pornos im Allgemeinen, der Pornoindustrie und den Menschen dahinter gezeigt.

Pornos sind für viele Menschen immer noch ein Tabuthema, bei dem Köpfe rot anlaufen und Blicke zu Boden gesenkt werden. Oder mit den Worten eines Mannes: „Es gibt mit Sicherheit mehr Männer, die wichsen, als sich Titanik anschauen.“ So kann man sich auch erklären, warum der Jahresumsatz der Pornoindustrie rund 100 Milliarden Euro beträgt. Im Porno Wonderland oder auch San Fernando Valley sitzen rund 200 Pornofirmen und 1.500 Frauen und Männer produzieren, was die Darsteller hergeben.

Die Pornoindustrie aber mit einem Sumpf aus Drogen, Gewalt und Perversionen gleichzusetzen ist meiner Ansicht nach falsch. Das eine oder andere zählt aber dennoch zum Daily Business. Oder wie lässt sich sonst erklären, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Porno-Darsteller rund 38 Jahre beträgt. Die Gründe dafür: Krankheiten, Drogen, Selbstmorde. Traurige Tatsache am Rande: Im Porno-Business verdienen Frauen rund 1.000 - 2.000 US-Dollar pro Tag, also rund die Hälfte mehr als Männer. Womit der Reiz am Business schnell erklärt ist. Wenn sie es überleben.

Und genau deshalb hat mir das Stück gefallen. Von spannend und unterhaltsam zu emotional und schockierend. Karen Köhler gelang es mit viel Feingefühl, die Menschen und Schicksale hinter den flachen Monologen und dem lauten Stöhnen hervor zu holen.

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Sabrina Hanneman

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