Eine glatte Bruchlandung

In Zeiten der Grasser-Protokolle möchte man meinen, dass einen so schnell keine Meldung mehr erschüttern kann. Aber dann hat jemand ein Interview gegeben. Natürlich nicht irgendjemand, sondern Niki Lauda und dann noch in der Tageszeitung Österreich. Das Thema: Der Tanzauftritt von Alfons Haider mit einem Mann. Was sonst. Wen hätte man da eher fragen können, als einen Ex-Rennfahrer mit Höhenflug, der nix zum verschenken hat.

Darin äußerte sich dieser, sagen wir mal kritisch zu dem Thema ob gleichgeschlechtliche Tanzerei bereits salonfähig sei oder nicht. Nicht schwer zu erraten, ging es dabei doch eigentlich um Homosexualität. "Quotengeilheit" wirft er dem ORF vor und bald werde er "wohl eine Entschuldigung für seine Heterosexuallität benötigen". Herr Lauda stört sich offenbar sichtlich am Gedanken die tanzenden B-Promis gegen eine "Schwule Show“ einzutauschen. Moralische Werte müssen schließlich vertreten werden, Life Ball hin oder her.

Andererseits muss man Niki Lauda auch wirklich loben. Dafür dass er „jede Menge Schwule in seiner Fly Niki eingestellt“ habe. „Ein paar sogar als Ausbildner“. Na bitte, geht doch. Den Vorwurf der Homophobie hat er damit also endgültig aus dem Weg geräumt.

Nichts desto trotz hat das Interview hohe Wellen geschlagen. Neu gegründete Facebook Gruppen wie Tanz Niki wiesen innerhalb der ersten 12 Stunden bereits rund 1.000 Fans auf. Das Thema und vor allem seine Einstellung gegenüber Homosexualität wurde heftig diskutiert. Oder eigentlich nicht. Eigentlich konnte er einem schon fast leid tun. Für seine Aussage.

Zusätzlich wurde natürlich auch die Facebook Seite von FlyNiki dazu genützt, dem aufkeimenden Unmut kund zu tun. Neben kritischen Postings, Solidaritätsbekundungen für Alfons Haider hagelte es öffentliche Kritik von Politikern und Organisationen wie der HOSI. Man kann vermuten, dass Werbepartner über die ungeschickte Wortwahl wohl auch nicht besonders erfreut gewesen sind.

Doch auch ein Niki Lauda weiß, dass der Imageschaden durch verbale Ausrutscher hoch sein kann. Zumindest weiß er es jetzt. Deshalb gab es auch ein kurzes Statement, in dem nochmals versucht wurde zurückzurudern. Ein wenig zumindest.

Liebe NIKI Fans, in meinem persönlichen Gespräch mit Herrn Wrabetz habe ich bezüglich des geplanten Dancing Stars-Auftrittes eines männlichen Paares zum Ausdruck gebracht, dass es mich stört, wenn der ORF wie ein Privatsender agiert um die Quoten in die Höhe zu treiben. Ich verstehe auch die Initiative der Menschen auf Facebook und möchte mich bei allen Menschen entschuldigen, die sich durch die Wahl meiner Worte verletzt fühlten.Ich möchte hier nochmals klar zum Ausdruck bringen: Ich habe und hatte Zeit meines Lebens keine Vorurteile gegen Homosexuelle. Ihr Niki Lauda

Und wer noch nicht verstanden hat. Niki Lauda ging es nicht um die tanzenden Männer, es ging ihm darum den ORF zu schützen. Vor Quotengeilheit und sich selbst.

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Sabrina Hanneman

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