Einfach mal machen

Featured Es gibt Dinge im Leben, die man sich immer vornimmt, über die man jahrelang spricht, die manchmal vielleicht auch idealisiert werden. Große Pläne, die man unbedingt erleben möchte, die ganz sicher irgendwann realisiert werden.

Und die man dann dennoch aufschiebt. Später, morgen, nächstes Monat oder im nächsten Jahr ist schließlich auch noch ausreichend Zeit dafür.

Die Alltagsroutine tut dann noch ihr übriges und hat einen manchmal ganz schön fest im Griff. Eigentlich ist es ja auch ganz bequem so. Oder man schiebt einen anderen Grund vor: zu wenig Geld, die Beziehung, der Job, das Studium oder das Haustier. Ausreden gibt es zu genüge.

Oft ist der wahre Grund eigentlich ganz banal. Man möchte es nicht wirklich oder hinter all den Ausreden traut man sich dann eigentlich doch nicht. Weil Veränderung schon auch meistens ungemütlich ist, man sich dazu ein Stück aus der eigenen Komfortzone begeben muss und man ja überhaupt nicht weiß, was da draußen so los ist, wie es ausgehen wird, ob es die richtige Entscheidung ist oder eine andere Option nicht doch besser wäre. Aber die spannendsten Erfahrungen passieren nun mal nicht auf der Couch daheim.

Wenn man Dinge dann lang genug aufgeschoben hat und die Zeit vergeht findet man schließlich raus, dass man "die andere Möglichekit" eigentlich nie kennenlernt. Man entscheidet sich ja auch wenn man keine Entscheidung trifft und kann sich somit eigentlich immer dem "Was wäre wenn-Spiel" hingeben und einen Knoten ins Hirn denken.

Und vielleicht ist es auch eine Altersfrage. Mit Anfang 20 glaubt man ohnehin, dass man die Jugend auf ewig gepachtet hat, man nie alt wird und soviel Zeit über hat, dass es für mehrere Leben reicht. Jetzt, beinahe Mitte 30 gehe ich zwar immer noch davon aus, dass ich genug Zeit für meine Pläne habe, bin mir aber langsam bewusst, dass sich alles schnell ändern kann.

Ich zähle ja zu den Menschen, die daran glauben, dass im Leben nichts ohne Grund passiert. Solange nur irgend etwas passiert bin ich zufrieden, Stillstand finde ich furchtbar. Wenn ich zurückdenke würde ich bisher auch nicht viel anders machen. Gut, vielleicht ein oder zwei Jahre die Welt bereisen, manchmal etwas weniger direkt sagen was ich denke, manchmal aber dafür öfters nein sagen. Es sind die üblichen kleinen Wehwehchen, die jeder kennt. Aber Rückwirkend war keine Veränderung schlecht, sondern hat immer zu etwas positiven geführt. Für mich persönlich ist der perfekte Zeitpunkt für Veränderung dann gekommen, wenn ich beginne darüber nachzudenken. Dann muss etwas passieren oder es wird zumindest langsam etwas in Bewegung gesetzt. Perfekter wird es nämlich meistens nicht mehr.

Ich kenne viele Menschen, die aber aus Angst etwas falsch zu machen lieber gar nichts tun. Ängstlich und bangend abwarten wie das Leben vergeht und nur kein Risiko eingehen, denn es könnte irgendwo eine falsche Lebensentscheidung lauern. Das ewige Warten auf die perfekten Lebensumstände ist eigentlich eine Ausrede, die wir alle von Zeit zu Zeit benutzen.

Meine Oma ist jetzt 94 und hat mal zu mir gesagt: "Das Schlimmste wäre es alt zu werden und darüber nachdenken zu müssen, was du alles in deinem Leben nicht gemacht hast." Eine weise Frau und sie muss es wissen, sie hat viel erlebt und sie ist es auch, die mir immer wieder vor Augen führt, dass es egal ist, wie schön, hoffnungslos oder aufregend eine Zeit ist. Die schönen Erinnerungen behält man ein Leben lang und schlimme Erfahrungen wirken aus der Entfernung meist ohnehin nicht mehr so dramatisch.

Richtig inspiriert hat mich Jürgens Lebensliste, in der er laufend 1.000 Dinge aufgeschrieben hat, die er noch erleben möchte. Eine schöne Idee, die ich vielleicht in einem nächsten Blogbeitrag ebenfalls übernehme, das erfordert allerdings längeres nachdenken und aufschreiben.

Alles in allem bin ich zu dem Schluss gekommen: Geht nicht, gibts einfach nicht. Wenn man etwas wirklich möchte, ist es immer möglich. Meinen nächsten Wunsch erfülle ich mir zum Beispiel in Kürze, indem ich einfach mal fünf Wochen von Los Angeles aus arbeite und dort ein paar Konferenzen besuche. Ohne besonderen Grund, sondern weil ich das Gefühl habe, dass es jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist, dass ich es einfach möchte und weil ich ein Team habe, dass auch gute Arbeit leistet, wenn ich nicht vor Ort im Büro bin.

Und natürlich weil das Leben zu schade ist, um alles auf später zu verschieben. Und die eine oder andere unerwartete Überraschung taucht oft ohnehin ganz von selbst auf.

Sabrina Hanneman

mommy of a boy I cat owner I founder of a digital agency I fitness I food I fashion I travelling I vegetarian I vienna I