Individual(reise)chaos

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Man sagt ja so schön "Wenn jemand eine Reise tut, so kann man was erzählen."
Fange ich zu erzählen an, merke ich, dass Welten zwischen Pauschal- und Individualtourismus liegen und es fallen sehr schnell Sätze wie "Das wäre mir zu anstrengend", "Ich möchte das vorab alles organisiert haben" und "Das ist mir zu unsicher und zu teuer". Aber genau der leicht chaotische Ablauf macht den Reiz aus, das eben alles nicht 100prozentig durchorganisiert ist. Wie sonst im Leben.

Nehmen wir die letzte Reise nach Sri Lanka im Dezember. Easygoing, unkompliziert, Laissez-faire. Möchte man laut den Erzählungen meinen. Denn was ich noch nicht erwähnt habe ist die geplante Planlosigkeit die auch diesen Urlaub teilweise begleitet hat.

Seit Jahren sind mein Freund und ich also Super-last-minute-Individual-schaumamal-Bucher. Dieser Reisetyp zeichnet sich durch langes abwarten und eine ganz, ganz lange Wunschliste aus.

Traditionell bleibt uns immer die Zeit ab dem 25. Dezember bis Mitte Januar für eine schöne Fernreise. Wir fangen also Ende August an das erste Mal zu überlegen, ob wir auf Urlaub fahren können (Firma und so, es könnte ja doch auch über die Feiertage viel zu tun sein), entscheiden uns dann gegen Ende November, dass es sich überraschenderweise wie in jedem Jahr ausgeht und setzen uns dann ein Wochenende Ende November vor Google Maps! Ja, genau, Google Maps. Immerhin sind da alle wunderschönen Orte auf einmal eingezeichnet.

Die Reisekriterien

  • Strand (muss sein), eventuell eine Großstadt zum Reiseauftakt (kann sein)
  • Sonnenschein, Temparaturen um die 30 Grad
  • Keine Regenzeit (auch viele kurze, tropische Regengüsse können anstrengend werden)
  • An- und Abreise jeweils nicht länger als 20 Stunden
  • Nicht zu viele Touristen (wie wir), aber auch nicht komplettes Robinson Crusoe-Feeling
  • Mehrere Hotels und Orte, um möglichst viele unterschiedliche Eindrücke zu sammeln
  • Motorrad tauglich (für den Mann)

Papierbag Postkarte

Das Auswahlverfahren

Booking.com, Tripadvisor, Google Maps und die Google Suche mit dem Stichwort "Traumstrand" geöffnet, geht es los. Mit voller Motivation. Es folgen viele Ideen, um sie dann wieder zu verwerfen. Superschnäppchen und Geheimtipps sind Anfang Dezember übrigens eher selten, sehr selten, verfügbar. Das trifft uns jedes Jahr wieder scheinbar unvorbereitet.

Ablenken lassen kann man sich auch ausgezeichnet. Von 5-Stern-Hotels um nur 2.000 Euro pro Nacht. Ach, diese schönen Bilder kann man stundenlang durchsehen und dabei die Prokrastination zelebrieren.

Stellt sich dann aber nach einem bis zwei Tagen kein Gleich-haben-wirs-Gefühl ein wird es kritisch. Frau (also ich) beklagt Mann (also ihn) dann der Teilnahmslosigkeit und verweist auf die letzen Urlaube, die Frau ausgesucht hat. In eben dieser prokrastinierenden Situation. Mann ist also gefordert, schweift aber wieder ab und ist weiterhin Feuer und Flamme für Hotels, die unser gesamtes Urlaubsbudget in einer Nacht verschlingen würden. Nach einer gefühlten Ewigkeit: Hunger, müde, Durst und ein klein bisschen Frustration.

Die Erleuchtung

Und genau in dem Moment, in dem man aufgeben möchte findet man ein Land, das man eigentlich nie bereisen wollte oder das aus unerklärlichen Gründen in den letzten Jahren durch unser Raster fiel.

Dann geht es Schlag auf Schlag. Wir buchen zuerst die Hotels (quer durch alle Sternekategorien, um auch wirklich alles kennenzulernen) und dann den Flug. Hin kommt man ja immer irgendwie. Dann ist da Thema erledigt. Vorerst. Visa, Impfungen, Reiseapotheke und sonstige Details fallen unter den Punkt Allgmeines und werden gekonnt bis zwei Wochen vor der Abreise ignoriert.

Alles halb so wild

Natürlich kann es in der Zwischenzeit passieren, dass die Buchung eines Fluges aufgrund eines unbemerkten Systemfehlers fehlgeschlagen oder ein bereits fixiertes Hotel plötzlich doch ausgebucht ist. Oder noch schlimmer, dann so gar nicht der Beschreibung entspricht. Bei einer Pauschalreise hat man spätestens dann ein Problem, wenn das Hotel so gar nicht den Vorstellungen und der Beschreibung entspricht (ist uns im letzten Urlaub übrigens gleich zweimal passiert. Man sitzt quasi fest, in der Falle, ohne Ausweg. Natürlich kann man einfach abreisen, sich ein neues Hotel suchen oder mit 40 anderen Gästen eine Beschwerde bei der Reiseleitung oder dem Veranstalter einlegen.

Aber jetzt kommen die Vorteile einer spontan gebuchten Individualreise ins Spiel. In solchen Fällen kann man fast überall eine Art "Aufwandsentschädigung" hinlegen, durch die Türe gehen, sich das nächste Hotel suchen und spätestens nach einem Tag den Vorfall vergessen.

Dass man vorab schon die Reiseapotheke daheim im Kühlschrank vergessen hat, das Taxi zum Flughafen einfach nicht daher kommt, das Visum nur für die einmalige Einreise in ein schönes fremdes Land bestimmt ist wo man doch eine Rundreise plant, die Kreditkarte deffekt ist oder man erst im Flugzeug erfährt, wohin man umgebucht wurde. Geschenkt.

Natürlich ist ein Pauschalurlaub mit Halbpension und geregelten Essens- und Ausflugszeiten eine bequeme Sache (wenn man zum Beispiel Kinder hat), aber auch so 100 Prozent vorhersehbar. Indivudalurlaub oder Pauschalreise, wie verreist ihr am liebsten?

Saved: Life, Love, Travel
Sabrina Hanneman

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