Just met H.R Giger

Selten habe ich mich über eine Einladung so gefreut, wie über die zur Austellungseröffnung „Träume und Visionen“ im Kunsthaus Wien von und mit H.R Giger. Er betrat den Raum gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Carmen Maria Scheifele y de Vega und seinem langjährigen Freund Dr. Ernst Fuchs, der eine leicht verwirrte, aber dennoch vor Bewunderung strotzende Ansprache hielt. Von dieser ist mir insbesondere ein Satz in Erinnerung geblieben ist. Wertschätzender kann die Laudatio eines Freundes nicht sein.

„Die Art und Weise wie er Carmens Handgelenk streichelt, zeugt von einer Liebe und Erhabenheit, wie man sie normalerweise nur aus Gigers Werken kennt."

H.R. Giger, Dr. Ernst Fuchs, Dr. Franz Patay

Giger wirkte sympathisch, aber auch zurückhaltend und insgesamt eigentlich wie ein durchschnittlicher Mann in den Siebzigern. Sein Auftritt war sehr reduziert, aber auch irgendwie emotional und man konnte ihm ansehen, dass er die löblichen Worte zu seiner Person zu schätzen wusste. Kennt man seine Werke fühlt man auch, dass ihn auf gewisse Weise etwas Geheimnisvolles umgibt. Als ich ihn um ein gemeinsames Foto bat, willigte er lächelnd ein, seine Bodyguards leider nicht.

Gezeigt wurden zum Teil unveröffentlichte Fotomontagen, Gemälde, Skulpturen sowie Werke aus der Privatsammlung des Surrealisten. Sex und Tod sind dabei die zentralen Elemente, die ihm auch den Ruf als unkonventionellen und exzentrischen Visionär verschafft haben. Yin und Yang, Phallus und Vagina, Tod und Leben sind die Themen, die Giger besetzt. Er war seiner Zeit immer voraus und sprach von Cybersex und Black Metal lange bevor diese den Mainstream erreichten.

Die „Alien“-Filmfiguren aus dem gleichnamigen Klassiker von Kult-Regisseur Ridley Scott verhalfen ihm 1980 zu einem Academy Award in der Kategorie „Beste Spezialeffekte“. Und die gezeigten Skulpturen wirken live mindestens genauso beeindruckend wie in seinen Filmen.

Giger Sil Display, 1995

Hansruedi Giger gilt als Ikone der Pop- und Cyberkultur und als Inspirationsquelle für Generationen von Kreativen, Filmschaffenden und Metal Bands. Celtic Frost, Atrocity und Dr. Death waren nur einige der Künstler, die ihre Album-Cover mit Giger-Art aufpolierten. Mein persönlicher Favorit war ja lange Zeit das Poster des Album-Covers zu „Brain Salad Surgery“ von Emerson, Lake and Palmer.

Brain Salad Surgery

Blickt man auf die Lebensgeschichte des Apothekersohns erkennt man, dass der Tod stets eine zentrale Rolle einnahm. Schlüsselerlebnisse waren nicht nur die Darmkrebserkrankungen seines Vaters und Großvaters, sondern insbesondere der Selbstmord seiner ersten Frau und Muse Li Tobler, die sich 1975 durch einen Kopfschuss das Leben nahm. Einige Werke deuten sogar darauf hin, dass er die Zeichen für ihren bevorstehenden Tod erkannt hat. Insgesamt spielten drei Frauen in seinem Leben, wie auch in der Ausstellung eine zentrale Rolle: Debbie Harry, Sil (Species) und Li Tobler.

Morbide, schockierend, bizzar und zugleich detailverliebt und emotional. Die Meinungen gehen bei Giger auseinander wie bei kaum einem anderen Künstler. Und selten hat es eine Retrospektive bisher geschafft, so viele Emotionen bei mir auszulösen. Ich kann also jedem nur empfehlen, einen Blick in die Ausstellung zu werfen.

Guardian Angel

Giger Birthmachine

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Sabrina Hanneman

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