Kino-Revival

Drei Jahre erfolgreichen Wehrens liegen hinter mir. Um keine Ausrede verlegen habe ich mich immer wieder rausgewunden. Und wozu? Um schlussendlich doch zu merken, wie sich die Schlinge um meinen Hals immer mehr zu zieht und ich in Kürze nicht mehr auskommen werde. Gestern war es dann soweit. Ich musste mitgehen, ins Kino.

Die meisten Menschen finden Kinobesuche lustig. Ein gemeinsames, geselliges Anschweigen. Ich nicht. Ich kann aus dem Stehgreif ein gute Handvoll Argumente liefern, warum ich mein Heimkino cineastischen Auswärtsvergnügen vorziehe.

  • Ich muss stundenlang ruhig sitzen und kann mich nicht ausstrecken.
  • In der ersten Stunde hört man vor lauter Sackerl raschen, Popcorn knabbern und Nachos knuspern ja fast gar nichts
  • Käsesauce in Kombination mit Popcorn und der Salsa. Von der Geruchskombination wird einem ja übel.
  • Ein Argument, das nun weggefallen ist, aber lange Zeit aktuell war: Ich kann nicht rauchen.
  • Irgendwann muss ich sicherlich aufs Klo.
  • Ich kann mich nicht unterhalten, wenn ich das möchte.
  • Sollte er schlecht sein, fehlt die Abschalt- oder Umschalttaste.
  • Alleine ins Kino gehen ist fad.
  • Meine Freunde sehe ich selten genug, dass ich mich lieber unterhalte und nicht schweigend bis zu drei Stunden neben ihnen sitzen möchte.
  • Auch fürs erste Date oder zum Fummeln im Dunkeln brauch ich nicht ins Kino. Ich bin erstens seit Jahren glücklich vergeben und auch aus dem Alter draußen, wo man sich im Kino datet.

Jeder Versuch mich umzustimmen endet meist mit: "Geh doch mit jemand anderem hin". Punkt. Fertig. Aus. Damit ist alles gesagt. Ich argumentiere jeden noch so kleinen Vorschlag weg. Immerhin habe ich eine Kommunikationsausbildung. Es wäre also gelacht, wenn das nicht klappt. Im letzten Jahr habe ich dann noch zusätzlich drei wirklich gute Argumente zugespielt bekommen: Apple TV, UPC Digital und ein Mitbewohner, der aufgrund seines Jobs immer neue Filme mit nach Hause schleppt. Bingo, ich bin draussen aus der Geschichte. Hab ich mir gedacht.

Mein Freund sieht das allerdings anders. Er geht glaube ich gerne ins Kino und beim letzten Mal, als er wieder gefragt hat, musste ich unweigerlich reflektieren und habe gesehen, dass von seiner Seite her schon auch Flexibilität im täglichen Miteinander gefordert ist. Es kann passieren, dass ich drei Tage lang sage, dass wir am Wochenende Baden gehen und ich dann keine Lust habe. Oder mich nicht zwischen zwei Restaurants entscheiden kann und im letzen Moment umdisponiere oder trotz aller Pläne genau an dem Tag ein spezielles Restaurant gehen möchte. Oder mir unbedingt jetzt sofort etwas kaufen möchte, weil ich es unbedingt benötige, obwohl wir andere Pläne hatten. Meistens nimmt er es mit Humor und lässt sich umstimmen. Kann das kleine Entgegenkommen in Form eines Kinobesuchs also wirklich so schlimm sein?

Na gut, okay, ich stimme zu. Den dritten Teil von Batman möchte er sehen. Ich erinnerte mich an Teil 1 und 2 und konnte mit der Auswahl leben. Als kleines Abenteuer verbucht habe ich mich dann auch sogar ein wenig drauf gefreut. Mal wieder was "Altes-Neues" ausprobieren. Noch schnell Popcorn und Natchos gekauft und los gings.

Zu meiner Überraschung hat sich in punkto Bildqualität in den letzen Jahren übrigens einiges getan und plötzlich ist mir aufgefallen: Drei Stunden konzentriert einen Film schaun, ohne dass das Telefon läutet, ein wichtiges E-Mail reinkommt, die Katze kuscheln will oder sonstige Störfaktoren auftauchen hat irgendwie auch etwas für sich.

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Zugegebenermaßen: Die Knabbereien stören eigentlich nur, wenn man selbst nichts zu Essen hat und als Raucher, der aktuell nicht raucht war auch das Verlangen nach Zigaretten mehr als kontrollierbar. Unterhalten wollte ich mich eigentlich auch gar nicht, der Gang zur Toilette blieb mir erspart und von meinen vielen Argumenten blieb an dem Abend nicht viel über. Das hat auch meine bessere Hälfte bemerkt und war mit Stolz erfüllt mich doch überredet zu haben.

Drängt sich also die Frage auf: Habe ich dem Kino unrecht getan? Könnte es ein neues gemeinsames Hobby werden? Ist meine Zeit als Kino-Verweigerer offiziell vorbei. Wir werden sehen. In wenigen Tagen startet der neue Film mit Colin Farell. Da geb ich dem Kino dann nochmals gerne eine Chance.

Saved: Life
Sabrina Hanneman

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