Kurzurlaub im Schweizerhaus

Vergangenen Sonntag haben wir das traumhafte Wetter für einen Schweizerhaus-Besuch genutzt. Wir, das waren meine bessere Hälfte, mein Cousin, seine Freundin und ihr Bruder. Diese Wiener Institution spielt ja gerne mit dem Slogan "Kurzurlaub im Schweizerhaus". Persönlich bin ich ja kein Fan von Bier und Stelze, aber ab und an gehe ich dennoch mit. Was dann kam war eine groteske Mischung aus Feueralarm, Watschn-Alarm und alarmierten Personal.

Aber nun mal der Reihe nach, hier die chronologische Abfolge der Ereignisse:

15:30 Uhr

Es hat mit der obligatorischen Tischsuche begonnen. Fündig wurden wir nach verhältnismäßig kurzer Zeit neben einer lautstarken Männerrunde, die irgendwo und irgendwie offenbar eine Tennis-Meisterschaft gewonnen hatte und das mit dutzenden "Zam, Zam, Zam, prooost!" begoss. Vermutlich schon seit einigen Stunden. Seis drum, das gehört dort halt dazu. Direkt daneben war ein Tisch für acht Personen frei, auf dem aber eine Reservierung für eine gewisse Sabrina lag. Kurzer Blick drauf, ab 18:30 Uhr also besetzt. Das der Tisch aktuell frei war haben wir uns zur Sicherheit auch noch kurz bestätigen lassen. Perfekt, drei Stunden Zeit, das geht sich locker für uns aus.

15:45 Uhr

Herr G., so hieß unser Kellner war ein freundlicher junger Mann und begann dann den Tisch abzuwischen und unsere Getränke aufzunehmen. Hätten wir vermutet, was dieser Geste der Reinlichkeit noch nach sich ziehen würde, hätte ich ihm den nassen Fetzen mit einem lauten "Stop!" aus der Hand geschlagen. Aber hinterher ist man ja immer schlauer. Weitere vier Gäste die nicht zu uns gehörten setzen sich kurze Zeit später an den Tisch. Kein Problem, Platz war ja genug.

15:50 Uhr

Ein kurzer Abstecher meinerseits zu den Toiletten und bei der Rückkehr ging es los. Aufgeschnappt habe ich Wortfetzen wie: "Verlassen Sie das Lokal". Hat uns Herr H., ein weiterer Kellner uns im Rahmen seiner bescheidenen, charmanten Möglichkeiten doch tatsächlich rauswerfen wollen, weil der Zettel für die nächste Reservierung verschwunden war. Keine Tragik dachte ich mir, wir haben uns ja nichts zu Schulden kommen lassen und wussten ja, dass der Name der Dame mit Sabrina anfing und die um 18:30 Uhr kommen wollte. Legts halt einfach einen neuen Zettel hin. Wo ist das Problem? Vermutlich wurde er entweder vom Wind weggeweht oder beim Saubermachen des Tisches abgeräumt.

Herr G. dürfte an der Stelle auch bemerkt haben, dass es sich tatsächlich um ein Missverständnis handelt und hat sich gleich für seinen Kollegen entschuldigt, einen neuen Zettel organisiert und uns natürlich nicht des Lokals verwiesen. Alles wieder gut, alle wieder glücklich. Kann ja mal vorkommen. Immerhin kommen tagtäglich Menschen rein, die sich auf reservierte Tische setzen. Ich versteh das, es hätte ja wirklich sein können, dass... . War es aber nicht!

16:00 Uhr - 18:10 Uhr

Neben uns am Tor geht der Feuerarlarm los, weil ein kleines Mädchen die Abkürzung nehmen wolle. Die Eltern waren angesichts des doch leicht unangenehmen Geräusches plötzlich nicht mehr auffindbar - ebenso wie der Schlüsselverantwortliche. Minuten später war auch dieses Problem gelöst und wir haben weiter bestens gelaunt gegessen, getrunken und nachbestellt. Vielleicht war dies aber der Auslöser, der den Stresspegel bereits anstiegen ließ. Man weiß es nicht genau.

Ab und an ist auch mal ein Scherz über das unhöfliche Verhalten von Herrn H. gefallen, der unseren Tisch aber ab sofort gemieden hat und andere Gäste mit seiner wohlwollenden Art beglückten musste. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, es wäre mir an seiner Stelle auch unangenehm gewesen so mit Gästen umzuspringen. Und hätten wir uns irgendetwas zu Schulden lassen kommen, haben wir es definitiv wieder beglichen. Nicht so wie der Nebentisch, wo vier Leute eine Stunde mit zwei Getränken beschäftigt waren. Aber das ist eine andere Geschichte.

18:10 Uhr

Wir bezahlen mit mehr oder minder halbvollen Gläsern bei Herrn G. die Rechnung. Mit einem kleinen Extrageld, immerhin hat er sich nach dem kleinen Zwischenfall wirklich vorbildlich um uns gekümmert und konnte mit seiner sympathischen Art die fehlende Empathie von Herrn H. wieder wettmachen. Nach einem kurzen abschließendem Plausch wurde abgeräumt, abgewischt und neues Besteck auf den Tisch gelegt. Ich bin ja kein Experte, aber im Schweizerhaus werden die Tische nicht mit Blumengestecken, Kerzen und netten Accessoires eingedeckt, oder? Also kann man sagen, es war alles bestens vorbereitet, um die nächste Runde zu versorgen.

18:15 Uhr

Unser Lieblingskellner Herr H. bemühte sich mit den Worten "Die Leute sind da und ihr schleichts euch jetzt!" zu uns. Bitte? Wie meinen? Aufgefordert von der feindseligen Stimmung uns gegenüber haben wir angefangen die Sache zu hinterfragen und klargestellt, dass wir noch austrinken werden und so nicht mit uns reden lassen. Auf eine den Umständen entsprechend wirklich noch höfliche Art und Weise. Das hat die Nerven von Herrn H. auf eine Belastungsprobe gestellt. Schon wurde der Stuhl meines Freundes nach hinten gezogen und er mit den Worten "Jetzt schleichts euch sofort oder brauchst a Watschn, dass auße kummts?" am Arm gepackt.

Wir haben das, mit dem Wunsch den Geschäftsführer sprechen zu wollen, quittiert. Irgendein Verantwortlicher kam dann auch tatsächlich und wir erklärten die ganze Geschichte. Ich verstehe ja, das man hinter seinem Team steht, bis zu einem gewissen Grad. Aber Sätze wie "Ihr werds schon was gmacht haben" sind eindeutig fehl am Platz.

18:25 Uhr

Immer noch diskutierend haben wir den Tisch verlassen. Es ist ja kurz vor halb und nichts anderes hatten wir geplant. Wir haben dann für gut 30 Minuten mit irgendwelchen mehr oder minder Verantwortlichen gesprochen und siehe da, Herr H. ist auch unter den Kollegen bereits bestens als Unruhestifter bekannt. Irgendwann hat sich dann auch der Restaurantleiter zu uns bemüht und uns versichert er werde mit dem zuständigen Kellner sprechen. Mehr kam dabei aber eigentlich nicht raus. Wir wollten auch keine Runde Getränke aufs Haus oder ähnliches, aber wäre irgendeine Form der Wiedergutmachung wirklich zu viel verlangt gewesen. Manchmal reicht ja bekanntlich schon ein Angebot. Egal, darauf kam es uns nicht an.

Fazit

Warum schreibe ich diesen Beitrag? Weil Feedback wichtig ist und sich nur dadurch Dinge auch ändern können. Ich weiß, dass die Liste für den Job lang ist und auch wieviel man im Service durchschnittlich pro Saison im Schweizerhaus verdient. Mir ist auch bewusst, dass eine Anstellung dort sehr anstrengend und mit Sicherheit auch persönlich eine Herausforderung ist. Vielleicht bin ich ein Idealist, aber mal Hand aufs Herz. Ende April kann man sich als Gast aber schon noch erwarten, dass das Personal nicht beleidigend oder ausfallend wird und auch nicht gleich die Nerven wegschmeißt. Es hieß ja mal so schön: Der Gast ist König, oder war das: Der Gast ist König und der Wirt Kaiser? Das Dienstleistungsgewerbe ist nicht für jedermann geeignet. Serviceorientiertes Denken und Handeln wird aber immer noch vorausgesetzt. Vielleicht mehr denn je. An der Stelle sollte man sich dann aber auch Gedanken über eine vernünftige Berufswahl machen.

Abschließend bleibt nur noch zu sagen: Hörbi, wir haben heute leider kein Trinkgeld für dich! Wir wissen aber, dass wir in dem Sommer sicher noch einmal wieder kommen werden. Aber ob du bis zum Ende der Saison bleibst? Wir werden sehen.

Saved: Food, Life
Sabrina Hanneman

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