Lieblingsjeans

Irgendwo im Kasten sind sie versteckt. Sie werden nicht weggegeben und auch nicht entsorgt. Warum? Weil wir wissen, dass der Tag wieder kommen wird. Zumindest hoffen wir es. Welcher Tag? Der, an dem wir wieder in unsere Lieblingsjeans passen.

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Ich glaube, ich muss weiter ausholen. Vor Jahren habe ich mir Jeans bei Diesel gekauft. Die sitzen einfach am besten und liegen wie eine zweite Haut am Körper. Ziemlich skinny, da bleibt kein Raum für Hüftgold und jede noch so kleine Sünde kann man in weniger als 24 Stunden im Spiegel bewundern. Gut kombiniert passen sie so gut wie immer und dementsprechend habe ich sie natürlich andauernd getragen.

Irgendwann aber kam der Sommer und bei 35 Grad im Schatten zwängt sich doch kein klar denkender Mensch in Jeans. Also mussten wallend-luftige Outfits her und es kam, wie es kommen musste. Die Hose mal ein paar Wochen im Kasten verstaut und schon war es passiert. Irgendwie war es nicht mehr das gleiche und was die Waage schon angezeigt hat, wurde nun bestätigt. Während andere Menschen im Sommer abnehmen, nehme ich tendenziell ja eher zu. Nach einer nicht enden wollenden Schrecksekunde spielen sich ja in solchen Situationen immer die gleichen Szenarien ab. Aber wenn es um die Lieblings-Jeans geht, ist keine Selbstlüge zu schäbig. Falls ihr mal welche braucht, hier ein kleines Potpourri meiner Lieblingsausreden:

  • Da muss irgendetwas beim Waschen passiert sein.
  • Die war immer schon so, wenn ich die Luft anhalte passt sie eigentlich eh noch.
  • War das überhaupt die eine Hose, die ich so mochte oder hab ich die verloren und das ist eine ganz andere?
  • Ach ja, die hab ich ja im Kasten verstaut, weil sie irgendwie verzogen war.

Man redet sich ein, dass es ganz natürlich ist, dass man irgendwie rauswächst und sich das schon wieder von selbst regulieren wird, wenn man mehr macht. Mehr Sport, mehr gesunde Ernährung und überhaupt mehr von all dem, das man in letzter Zeit so vernachlässigt hat. Das Gewissen kurz beruhigt und schon entgeht man (s)einem posttraumtischen Erlebnis.

Um auf Nummer sicher zu gehen, wird die Hose auch gleich wieder zurückgeräumt und zwar ins letzte Eck des Kastens, wo nicht mal mehr die Motten hinwollen. Ein Ort vollkommener Abgeschiedenheit, aber nicht völlig isoliert, sondern zwischen den Teilen, die man irgendwann nochmals tragen möchte, aber noch nicht die richtige Gelegenheit gefunden hat.

Von Zeit zu Zeit erwische ich mich dann, wie ich einen ganzen Nachmittag lang Kleidungsstücke aus den entlegenen Ecken hervorkrame, anprobiere und vielleicht ausmiste. Spätestens bei 2 Kleidergrößen Unterschied sollte klar sein, dass man buchstäblich über sich selbst hinausgewachsen ist. Unweigerlich treffen wir uns dann wieder - die Jeans und ich. Man wagt einen zögerlichen Versuch und wenn ich nicht schon bei den Oberschenkeln merke, dass sie passt. Ach, scheiß drauf - zurück in den Kasten. Solange bis ich weiß, dass ich durch Training und gesunde Ernährung wieder reinpasse. So wie jetzt. Und nur deshalb erzähle ich euch das auch. Rechtzeitig vor dem Sommer.

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Sabrina Hanneman

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