Quo vadis, Copia?

Die Welt wurde wieder um ein Portal bereichert. Copia nennt sich der neueste Wurf von DMC Worldwide, der das Social Reading revolutionieren soll. „As the world’s first social reading experience, Copia is all about conversations“ so die Portalbetreiber. Der Service wurde bereits im Rahmen der CES 2010 vorgestellt und soll die Herzen von Bücherwürmern höher schlagen lassen. Soviel Eigenlob weckt natürlich Interesse, also wurde getestet. Das Promotionvideo dazu möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.

:Introducing Copia

Die Anmeldung erfolgt dank Facebook Connect relativ einfach und als Willkommensgeschenk stehen folgende sieben Bücher kostenlos zum Download bereit: A Passage to India, (E.M Forster) Brave New World (Aldous Huxley), Red Altert (Peter George), Shoeless Joe (W.P Kinsella), Slaughterhouse-Five: Or the Children‘s Crusade a duty dance with death (Kurt Vonnegut), The Graduate (Charles Webb) und Midnight Cowoy (James Leo Herlihy). Die Auswahl lässt erkennen, dass sich das Portal in erster Linie auf den englischsprachigen Raum konzentriert, obwohl auch deutschsprachige Literatur (und mit Sicherheit weitere Sprachen) zur Verfügung stehen.

Durch die Anbindung an Facebook und Twitter soll der Interaktionsfaktor mit bestehenden Kontakten erhöht werden. Vorausgesetzt es sind auch welche vorhanden. Ich wollte es genau wissen, also wurde nachgezählt. Aktuell tummeln sich rund 1.100 User auf dem Portal. Die Anzahl der Follower und Freunde auf den jeweiligen Profilen tendiert dabei in vielen Fällen gegen Null. Von Vernetzung keine Spur, es besteht also Ausbaupotenzial.

Aber nun zu den Funktionalitäten. User können eine eigene Bibliothek zusammenstellen, Notizen machen, Textpassagen markieren, an Diskussionen Teilnehmen und Zitate über Twitter oder Facebook teilen. In der persönlichen und auch für Andere einsehbaren Bibliothek befinden sich im Durchschnitt zwischen einem und zwölf Bücher. Die meisten Gruppen und Diskussionsforen finden ähnlichen Anklang und weisen bestenfalls 117 Mitglieder auf. Der erste Eindruck ist somit nicht unbedingt viel versprechend.

Gelesen werden kann nur, was innerhalb des geschlossenen Portals zum Kauf angeboten wird. Dazu steht eine Reader App für Mac OS X, Windows das iPad und bald auch Windows 7 zur Verfügung. Der Download als zusätzlicher Schritt lässt sich mit dem Aufwand vereinbaren. Die Büchersuche verläuft schnell und die Bibliothek ist gut strukturiert. Klickt man "Show me only books I can download" bei der Suche an, minimiert sich die Trefferanzahl von 7 120.101 auf 790.400. Man kann mich gerne korrigieren, aber mir erscheint es unlogisch, Bücher anzubieten, die eigentlich gar nicht zum Download bereit stehen. Möchte ich Buchbeschreibungen lesen, finde ich mit Sicherheit zu Amazon. Dafür benötigt es kein Social Reading-Plattform.

Fazit: Ob das Portal die kritische Masse erreicht, um aus der Versenkung aufzutauchen, wird die Zeit zeigen. Der Ansatz ist durchaus interessant und prinzipiell könnte ich mich dafür auch begeistern. Zum Bücher lesen empfiehlt sich allerdings das iPad, mit dem Laptop wird es mit der Zeit einfach zu mühsam. Was die Anzahl der Community-Mitglieder oder das intuitive Handling betrifft, finden sich noch die einen oder anderen Stolpersteine.

Saved: App
Sabrina Hanneman

mommy of a boy I cat owner I founder of a digital agency I fitness I food I fashion I travelling I vegetarian I vienna I