Tratschende Männer

Featured Ich sage es gleich: Dieser Blogbeitrag enthält Spuren von Stereotypen und Klischees. An Frauen haftet ja spätestens seit Sex and the City und Desperate Housewives stärker denn je das Klischee, dass wir so ziemlich alles, was uns bewegt, mit unseren Freundinnen besprechen. Stimmt eigentlich auch. Nur… damit sind wir offensichtlich nicht alleine.

Ich bin sozusagen ins Feld gegangen und habe beobachtet. Oder besser gesagt, zugehört und mir die Frage gestellt: Wie sieht das eigentlich so bei Männern aus? Was machen die, wenn sie sich treffen? Sitzen sie wirklich nur gemütlich bei einem Bier zusammen, spielen auf der Play Station, sehen sich einen Film / Fußballmatch an und sprechen über mehr oder minder Belanglosigkeiten? Oder in vielen Fällen auch gar nicht. Eintrainierte Standard-Antworten, die man immer wieder gerne hört. Fast genauso wie: "Und, was gibts neues bei Freund A.?" "Nichts". Gut, man ist also am Laufenden.

Frauen tendieren ja gerne zu denken, dass über sie gesprochen wird. Ebenso, wie es umgekehrt der Fall ist. Die ehrliche Antowrt: Das passiert wirklich selten, zumindest sofern es sich um die eigene Freundin handelt. Es schürt einfach zu viel Konfliktpotenzial unter Männern. Bei Frauen abseits der eigenen Partnerin sieht es da natürlich wieder ganz anders aus. Aber das ist ein anderes Thema.

Beobachtet man das Verhalten von Männern also genau, fällt selbst einem Neuzugang im Freundeskreis bald auf: Sie sind bestens über jegliche Art von Klatsch und Tratsch informiert. Von Promis, Freunden, aus dem Büro und überhaupt. Der Klatsch vom letzten Partywochenende aus dem Freundeskreis wird spätestens Montag früh besprochen und sofern berichtenswert, auch weitergetragen. Positiv also, denn offensichtlich wird vielen Männern unrecht getan und sie hören wider allen Vorurteilen doch genau zu.

Was dann aber allerdings nicht so gut funktioniert ist hinhören und stillschweigen bewahren. Ich sag das jetzt mal pauschal: Männer können (ebenso wenig wie viele Frauen) Geheimnisse wahren. Da stellt sich mir doch die Frage nach dem warum und wieso Frauen als Tratschtanten gelten. Was sind dann die Männer?

Man kann es sich jetzt natürlich einfach machen und böse Absichten vermuten. Ich denke, es ist in vielen Fällen wesentlich banaler. Informationen werden einfach kategorisiert. In ganz wichtig und unwichtig, in schwarz und weiß. Dazwischen gibt es einfach nur eine Grauzone. Und alles, was das Pech hat, in diese Grauzone zu fallen, wird über kurz oder lang als unwichtig eingestuft. Hängt die Freundschaft nicht am seidenen Faden, sofern man sich verplappert, liegt jede Information bei der nächst besten sich bietenden Gelegenheit am Präsentierteller. Noch dazu belastet Wissen das Gemüt. Ständig muss man aufpassen, ja nichts weiter zu erzählen und das mag bei ein paar Informationen ja gut funktionieren, ist langfristig aber zum Scheitern verurteilt.

Immerhin ist Geben seliger denn Nehmen und Teilen ist schön. Also lautet das Motto: Einfach raus damit. Und da geht es Männern und Frauen vermutlich sehr ähnlich. Wer möchte schon die Last vieler Geheimnisse alleine tragen? Nur haftet das Klischee leider wie ein Kaugummi auf den Schuhsohlen der Frauen.

Pssst

Wann wird getratscht?

Vorwiegend in der Gruppe natürlich. Sehr beliebt ist folgendes Intro: "Du, ich hab da was ganz arges gehört... aber das kann ich dir nicht erzählen." Das alleine reicht aus, um die Sensationslust beider Geschlechter zu wecken. Freund A. erzählt also eine Story, Freund B. ergänzt und wenn C. und D. nichts mehr dazu einfällt, dann macht eben einfach ein kleines und für sie unwichtiges Detail aus dem Privatleben von E. die Runde. Natürlich immer mit dem Nachsatz: Aber das muss unter uns bleiben. Selbstverständlich! Genau so lange, wie man sich eben merken kann, das es ein Geheimnis ist und man F. dann all die schmutzigen Details erzählen muss. Er war ja bei der Geschichte, die A. zum Besten gegeben hat nicht mit dabei und muss auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Besondere Härtefälle in meinem engeren Umfeld wissen mittlerweile auch, dass heikle Themen oder strikt zu wahrende Geheimnisse einfach nicht mehr neben ihnen besprochen werden (können). Aufgrund der Erfahrung hat man sich im Laufe der Zeit angewöhnt, das auch ganz offen mitzuteilen. Böse oder beleidigt sind sie deshalb keinesfalls, im Gegenteil, es ist sogar erwünscht. Männer verstehen so etwas. Gerade letztens kam ein Freund mit der Aussage zu mir: Schau, dafür bin ich super, wenn Informationen einmal gezielt verbreitet werden sollen." Soviel Selbstreflexion hat mich verwundert. Aber zugegebenermaßen: Es stimmt!

Saved: Life
Sabrina Hanneman

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