Vegan-Experiment… what happened

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Der Mensch braucht Herausforderungen heißt es so schön. Deshalb habe ich mich vor fast drei Monaten an ein Experiment herangewagt. Das vorläufige Ziel war es, einen Monat lang vollkommen auf tierische Produkte zu verzichten.

Sensibilisiert für dieses Thema wurde ich aus mehreren Richtungen. Einerseits wurden einige Bekannte - allesamt bisher eingeschworene Fleischliebhaber - zu begeisterten Veganern. Fast alle berichten positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden und Körpergefühl. Andererseits betreuen wir in der Agentur auch die Vegane Gesellschaft Österreich, wodurch ich mit dem Thema vegane Ernährung natürlich stärker in Kontakt gekommen bin.

Vegan

Ich war nie ein wirklicher Fleischliebhaber, würde mich als sehr selektiv, im Volksmund auch “haglich”, bezeichnen. Seit meiner Diagnose einer Nahrungsmittelunverträglichkeit vor gut einem Jahr, die sich neben einigen Obst- und Gemüsesorten auch auf Kuhmilchprodukte und abgesehen von Geflügel auch auf alle Fleischsorten niederschlug, reduzierte sich mein Konsum stetig. Dennoch: Käse, Fisch und Eier (um nur ein paar Produkte zu nennen) bedeuten für mich einen Verzicht. Schmeckt mir alles. Punkt.

Was mich aber wirklich dazu bewogen hat, waren einerseits ethische Gründe (ja, die armen Tiere) und dass ich nicht darauf vertraue, dass der Inhalt hält, was das Etikett verspricht. Ganz prinzipiell finde ich den übermäßigen Konsum tierischer Produkte auch übertrieben. Wer einmal zählt, wie viele unterschiedliche tierische Produkte in Form von Milch, Käse oder Eiern man pro Tag während den Mahlzeiten zu sich nimmt, weiß was ich meine.

Die Vorurteile

Der Veganen Ernährung habe ich früher eigentlich immer den Stempel “langweilig und kompliziert” aufgedrückt. Zwei Kochbücher und gefühlte hundert Rezepte später weiß ich es besser. Die vegane Ernährung ist sehr vielfältig, meist - sofern man auf Fertigprodukte verzichtet - auch leichte Kost und macht satt.

Während vegetarische Ernährung gesellschaftlich mittlerweile allgemein problemlos akzeptiert wird, gibt es für Veganer jede Menge Erklärungsbedarf. Erzähle ich, dass ich mich vegan ernähre habe ich den Eindruck, dass sich andere Personen davon irgendwie persönlich angegriffen fühlen und plötzlich zu Ernährungswissenschaftlern mutieren, Stichwort Vitamin B12. Finde ich immer eine spannende Diskussion, da hier mit erhobenem Zeigefinger gearbeitet wird. Was viele aber vergessen ist, dass nur die Aufnahme von B12 noch keinen gesunden Lebensstil ausmacht. Ich kenne viele Menschen, deren Beilage zu Fleisch Fleisch darstellt und die dennoch nicht müde werden Aufklärungsarbeit in Hinblick auf eine ausgewogene Ernährung zu betreiben.

Nicht selten höre ich das Argument, dass ich - wenn schon, denn schon - dann ja auch keine Lederschuhe tragen darf und meinen ökologischen Fussabdruck im Allgemeinen verringern, oder kurz: überhaupt die Welt verbessern muss. Schwachsinn, finde ich. Man kann / muss für sich entscheiden, wie man einen Beitrag leisten möchte und mir fällt es in punkto Ernährung einfach leichter.

Vegan alleine ist nicht gesund

Wer allerdings glaubt, vegane Ernährung ist automatisch gesund, irrt. Ich traue mich zu behaupten, dass es mindestens genauso viele Convenience Produkte gibt. Und die Ernährung alleine auf Soja-Basis aufzubauen macht genauso viel Sinn wie sich ausnahmslos von Fleisch und Käse zu ernähren. Egal wie man seine Ernährung umstellt, das wichtigste bleiben hochwertige Lebensmittel und idealerweise eine frische Zubereitung ohne Geschmackverstärker und Zusatzstoffe.

Das Fazit: Flexigan

Schwierig wird es oftmals in Restaurants oder bei Einladungen im Freundeskreis. Und nein, ein Salat ist nicht immer eine Lösung. Da bin ich zugegbenermaßen flexibel. Oder wenn mich ein Stück selbstgebackener Kuchen anlacht. Oder ein Stück Käse. Ich kann nicht anders.

Wenn es eine vegetarische Alternative gibt, wähle ich sie. Wenn es gar nicht anders geht, beuge ich mich. Man kann mir jetzt Opportunismus vorwerfen, aber ich habe für mich den Weg des Flexiganers gefunden (gibt es dieses Wort?). Ich ernähre mich zu 90% vegan, lasse aber Ausnahmen zu. Manchmal, weil es mir einfach zu anstrengend ist, dauernd Erklärungen abzuliefen und manchmal, weil ich hungrig bin und es keine Alternative gibt oder ich einfach Lust auf eine bestimmte Speise habe.

Was eigentlich nur als kurzzeitiges Experiment begann hat für mich in einer Ernährungsumstellung geändert. Der Unterschied ist wie eingangs erwähnt gar nicht so groß, aber es beruhigt mein Gewissen genauer hinzusehen, was ich esse und ich bemerke weder Mangelerscheinungen noch habe ich das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen.

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Sabrina Hanneman

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