Verdammt nochmal, ich rauche!

Ein Statement für das man heutzutage beinahe so befremdlich angesehen wird, als würde man seinen geliebten Vierbeiner ausführen und das Sackerl fürs Gackerl vergessen. Ja, es stinkt und es ist mit Sicherheit gesundheitsschädigend. Raucher kennen das Risiko, immerhin werden sie ja bei jeder sich bietenden Gelegenheit von Nicht-Rauchern darüber aufgeklärt. Da bleibt ab und zu schon auch was hängen. Dennoch nehme ich nach solch einem Gespräch nicht gleich die Schachtel Zigaretten, zerreisse sie und gelobe Besserung. Auch wenns mir leid tut. Der Wow-Effekt bleibt einfach aus, wir kennen die Risiken und Gefahren zu genüge.

Ich habe versucht aufzuhören, zweimal bisher. Das erste Mal habe ich im Urlaub nach 4 Monaten Abstinenz gedacht, ich wäre wohl schon immun gegen die Versuchung. Ein Trugschluss, wie sich herausgestellt hat. Das zweite Mal wurde der Kapitalfehler begangen, den Versuch als eine Art Beziehungsprojekt unter dem Motto "Gemeinsam rauchfrei" zu starten. Schlechte Idee, die darauf rauslief, dass meine besser Hälfte von einem Tag zum anderen plötzlich zum Zigarrenraucher wurde. Immerhin wird dabei nicht inhaliert und man kann sich so länger vormachen, man raucht ja eigentlich nicht mehr. Ich hingegen habe mich nach drei Monaten erwischt, wie ich mich heimlich in unbeobachteten Momenten mit der Zigarette aus dem Fenster hänge, mir anschließend gründlich die Zähne geputzt und immer noch stolz behauptet habe, ich wäre Nichtraucherin.

Schlimmer noch als dieser Selbstbetrug ist es, wenn das Umfeld langsam wieder mitbekommt, dass man die Sucht nicht wie zuvor groß getönt, bekämpft hat, sondern ihr mal wieder erlegen ist. Kein Problem beim ersten Mal, da gibts noch Hoffnung. Beim zweiten Versuch kommt der Nachsatz: "Das hast du doch schon mal gesagt" und vom nächsten Versuch werde ich vermutlich gar nicht erst ein Wort sagen. Streicheleinheiten fürs eigene Ego sehen anders aus.

Dennoch ist es meine ganz private Entscheidung zu rauchen. Und jetzt kommts: Ich rauche halt einfach auch gerne. Im Büro, zu Hause und vom Weggehen nach dem einen oder anderen Gläschen will ich gar nicht erst anfangen. In der (Rauch-)pause werden grundlegende Entscheidungen getroffen, das war in der Schule und auf der Uni so und hat sich im Berufsleben auch nicht weiter geändert.

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Ein Video wie dieses zu produzieren, könnte sich heute niemand mehr vorstellen. Und das ist auch gut so. Aber es gibt dennoch Grenzen. Von Zeit zu Zeit passiert es mir aber, dass mich wildfremde Menschen auf der Straße zu erziehen versuchen. Das kann von einem nett gemeintem Rat bis hin zu einer Beschimpfung sein.

Vor ein paar Tagen zum Beispiel ist eine Mutter, die mit ihrem Nachwuchs an der selben Haltestelle wie ich auf den Bus warten musste, auf mich losgestürmt. Wohl gemerkt aus gut 15 Meter Entfernung. Für mich also keine Chance, ohne Kontaktlinsen auch nur im Entferntesten jemanden erkennen zu können. Ein Punkt in der Landschaft sozusagen. Wie auch immer, jedenfalls wurde mir vorwurfsvoll ins Gesicht geschrien, ich solle doch die Zigarette ausmachen. Druck erzeugt ja bekanntlich Gegendruck. Nein, kann ich nicht, will ich nicht und werde ich auch bestimmt nicht machen. Da geht's ums Prinzip. Es ist ja nicht so, dass ich mich in die Sandkiste am Spielplatz setze und eine Runde Marlboro für die Kleinen spendiere.

Ich habe Freunde mit Kindern und es würde mir nicht einfallen, neben ihnen zu rauchen. Auch im Restaurant gehe ich zum Essen in den Nichtraucherbereich. Seien wir uns ehrlich, da riecht es einfach besser. Ich stelle mich auch nicht mutwillig neben andere Leute und packe die Zigaretten aus. Ich halte bewusst Abstand und verbiege mich oft förmlich inklusive Analyse der Windrichtung, damit andere ja nicht belästigt werden. Aber unter freiem Himmel lasse ich mir von wildfremden Menschen nicht sagen, was ich zu tun oder zu lassen habe. Ich renne ja auch nicht auf Eltern mit sagen wir mal etwas fülligeren Kindern zu, die genüsslich Fast Food essen und halte eine Standpauke zum Thema gesunde Ernährung.

Eine gewisse natürliche Distanz finde ich schön. Und seien wir uns ehrlich: Der nächste Nichtraucher-Versuch kommt so oder so.

Saved: Life
Sabrina Hanneman

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